Matthias-Ehrenfried-Schule

Markt Rimpar

Kriegswirren

in den 40er Jahren:

Schon am 27. September 1944 wurde im Rahmen des Raumausgleichs für Krankenhäuser das neue Rimparer Schulhaus in Augenschein genommen und als Ausweichkrankenhaus für gut befunden. Für den Ernstfall wurden für 140 Patienten Bettgestelle, Strohsäcke, Decken und Essgeschirr eingelagert, darunter 20 Waschgeschirre aus Email, weil noch nicht in allen Sälen fließendes Wasser war. Die Strohsäcke wurden leer angeliefert und mussten von Rimparer Frauen per Hand frisch gefüllt werden. Nur so war eine schnelle Evakuierung möglich. Durch die Konzeption mit Luftschutzraum und einem Stahlbetonschutz im Dach war die Schule quasi für solche Zwecke bewusst gebaut worden. Natürlich musste das Schulhaus durch bauliche Veränderungen noch an den Krankenhausbetrieb angepasst werden. Der WC-Bereich im Erdgeschoss wurde durch Einziehen von Wänden dreigeteilt in Dunkelkammer, Leichenraum und Raum für Schmutzwäsche. In den Schulsälen waren jeweils etwa 20 Betten geplant.

Am 19.Februar 1945 zerstörte eine Luftmine der Royal Air Force um 20.20 Uhr einen großen Teil des Juliusspitals in Würzburg. Noch in der gleichen Nacht wurde das Schulhaus vollständig geräumt. Drei Säle der Knabenschule in der Hofstraße, der Saal des kath. Jugendheimes und der Saal im ehemaligen Gasthaus Fischer (Austraße) dienten als Ersatz. Innerhalb weniger Tage war das Schulhaus mit 140 Betten voll belegt. Bis zum Einmarsch der Amerikaner am 6./7. April 1945 waren im Haus sowohl die chirurgische als auch die innere Abteilung des Juliusspitals untergebracht. Nach dem Einmarsch der Amerikaner wurde die chirurgische Abteilung in das Gebäude des Missionsärztlichen Institutes in Würzburg verlegt.

Während das Schulhaus als Ausweichkrankenhaus für das ausgebombte Juliusspital diente, wurde Bischof Matthias Ehrenfried als schwer kranker Patient eingeliefert. Er verstarb am 30. Mai 1948 im Schulsaal Nummer vier. Die Rimparer hielten an seiner Totenbahre die Nacht hindurch bis zum nächsten Tag Ehrenwache. In einem feierlichen
Trauerzug wurde der Tote von den Rimparern nach Würzburg begleitet.

Juliusspital   Matthias Ehrenfried_Trauerzug

 

Ein Zeitzeuge berichtet in einer E-mail an unsere Schule:

Liebe Rimparer Grundschüler,

 

Ich möchte euch erst sagen, wer ich bin. Ich bin P. Wolfgang Zürrlein, stamme aus Rimpar und lebe jetzt in Rom. Ich habe im Internet die Rimparer Homepage entdeckt, und dann natürlich auch die Rimparer Matthias-Ehrenfried-Grundschule.

Es war interessant, eure Chronik zu lesen. All das was da beschrieben ist, habe ich noch persönlich miterlebt. Beim Lesen gingen meine Erinnerungen zurück in meine ersten Schuljahre.

Ich bin 1938, gerade als die "Neue Schule" bezugsfertig war, in die Volksschule gekommen. Ich erinnere mich noch gut, in der ersten Klasse hatten wir den Lehrer Eger, den wir eigentlich nicht sehr gemocht haben, in der 2. den Rektor Mauer; den hatten wir schon lieber. In der dritten oder vierten Klasse hatten wir den Lehrer Riß; der kam aus dem Elsass nach Rimpar, war aber nicht nach unserem Geschmack. In der 5. hatten wir den jungen Lehrer Riegel, den habe ich sehr gemocht. Er war im Krieg am Bein schwer verwundet worden, ging an einem Stock und wurde deshalb vom Heer entlassen. Aber er konnte uns mitreißen im Unterricht. Wir waren Buben und Mädchen, zusammen vielleicht 45-50 Kinder. Nach der 5. Klasse kam ich nach Würzburg ins Neue Gymnasium.

Während des Krieges sollten wir Kinder auch mithelfen, dass der Krieg gewonnen wird. Wir sammelten Altmetalle, Knochen, Lumpen und Papier. Jedes Kind musste jeden Tag etwas "Gutes" mitbringen in die Schule. Der zweite Stock in der Schule war noch nicht ausgebaut und konnte deshalb gut als weiträumiger Trockenboden benutzt werden. Wir Kinder brachten Tüten mit gesammelten Teeblättern mit zur Schule: Brombeerblätter, Spitz- und Breitwegerich, Huflattich und andere Blätter, die sich für Tee eigneten. Diese Blätter wurden dann auf dem weiten Dachboden zum Trocknen ausgebreitet.

Man hat uns Kindern gesagt, diesen Tee würden die Soldaten an der Front dann trinken. In Wirklichkeit kamen diese Trockenteeblätter ins KZ nach Dachau, die Häftlinge dort mussten den Tee zum Verkauf weiterverarbeiten. Den Gewinn vom Verkauf hat die Lager-SS in ihre Taschen gesteckt. All das wurde erst nach dem Krieg bekannt. Am Morgen eines jeden Schultages musste einer den Wehrmachtsbericht aus der Zeitung vorlesen. An einer Europakarte versetzten wir dann jeden Tag kleine Fähnchen, die den Verlauf der deutschen Heeresfront auf dem Vormarsch sichtbar machten. Erst als das Heer auf dem Rückmarsch war, wurde diese Übung dann langsam vergessen.

Am Mittwoch Nachmittag hatte das Jungvolk, das waren die Kleinen in der Hitlerjugend, also wir, "Dienst". Wir mussten vor dem Schuleingang antreten, in Reih und Glied, dann lernten wir im Luftschutzkeller, der uns als Versammlungsraum diente, zackige Lieder "Führer befiehl, wir folgen dir!" u. a. Im Schulhof hinter der Schule mussten wir marschieren und exerzieren und lernten auch, wie man Stabbrandbomben löschen musste, wie man mit einer Gasmaske umging. Und wir waren begeistert Krieg zu spielen. So haben uns unsere Lehrer und Hitlerjugendführer, ohne dass wir es merkten, auf den Krieg vorbereitet und wohl auch begeistert. Wenn es noch ein Jahr länger gedauert hätte, wären wir auch noch begeistert in den Krieg gezogen.

Als das Juliusspital teilweise zerstört war, wurde das Schulgebäude als Krankenhaus benutzt. Ich war damals dreizehn und Fahrschüler nach Würzburg. Ich habe mich als Ministrant bei Kaplan Uhl im Spital beworben. Jeden Tag um viertel vor sechs Uhr am Morgen bin ich von der Austraße ins Juliusspital zum Ministrieren marschiert. Die Kapelle war im 2. Stock, wo wir früher Tee getrocknet hatten, die ganze Giebelseite zum Dorf hin. 30 Schwestern, die so schön gesungen und gebetet haben, sind dort sicher untergekommen. Davor rechts war das Zimmer von Kaplan Uhl; ein Zimmer, das war seine ganze Wohnung. Wir waren stolz, sozusagen zum Krankenhauspersonal zu gehören. Ich erinnere mich auch noch, da war im Gasthaus zum Lamm und im Gasthaus zur Post eine Quarantäne-Abteilung für Typhuskranke untergebracht. Wir Ministranten gingen mit dem Kaplan, der den Kelch mit den Hostien bei sich hatte, zur Krankenkommunion dorthin. Die Fenster waren mit Mullgaze gegen Fliegen gesichert. Der Kaplan übergab am Eingang einer Schwester den Kelch mit den Hostien, die dann die Kommunion den Kranken brachte. Dass eine, die nicht Priester war, Kommunion austeilen durfte, war ganz ungewöhnlich.

Nach dem Einmarsch der Amerikaner kampierten die Amis auf der Wiese, wo heute der Sportplatz ist und die Häuser stehen. Dutzende von Lkws und großen Zelten standen da. Wir Kinder suchten den Kontakt zu den amerikanischen Soldaten, um irgend etwas zu ergattern, wenngleich die schwarzen Amis uns noch nicht ganz geheuer waren. Ein Stück Schokolade oder eine Orange, die für uns ganz neu war. Vielleicht ein so wunderschönes, weiches Weißbrot, das uns Kindern viel besser schmeckte als unser gewöhnliches Schwarzbrot; damals habe ich auch mit Ami-Zigaretten meine ersten Rauchversuche gemacht. Ich muss Euch sagen, es war für uns Kinder eine interessante Zeit, wenngleich auch immer mit Tod und Zerstörung verbunden. Einmal erinnere ich mich, da kam am Abend spät ein schwerer amerikanischer viermotoriger Bomber ganz niedrig an Rimpar vorbei. Er war beim Angriff auf Schweinfurt von der deutschen Flak getroffen worden. Zuerst warf er seine Sprengbomben kurz vor dem Leihweg ab in den Wald. Die Bomben hatten allen Bäume im Umkreis von 50 m abgesägt oder ausgerissen. Die Stelle hieß noch Jahrzehnte später das Bombenloch. Dann warf er in Höhe des Dorfes seine Brandbomben ab. Die ganzen Weinberge oberhalb der Frühling- und Weinbergstrasse brannten. Wäre er nur 100-200m weiter links geflogen, hätte keiner mehr das Dorf retten können. Dann flog er weiter und ist schließlich in Gadheim abgestürzt. Wir neugierigen Buben sind natürlich dahin marschiert; wir wollten sehen, was da von dem Bomber noch übrig war. Auf einer großen Fläche, viermal so groß wie ein Fußballfeld, lagen die Trümmer verteilt. Das Flugzeug war aufgeprallt und explodiert. Man sagte, die 8 Mann Besatzung wären alle tot. Wir Buben suchten nach etwas Brauchbarem oder Nützlichem. Wir trugen damals Skihosen, deren Hosenbeine an den Knöcheln zugebunden waren. Wir konnten die Hosenbeine also als große Taschen verwenden. Wir stopften also alles Brauchbare in den Hosenbund, was dann bis zu den Knöcheln durchfiel. Da kam unter anderem auch Maschinengewehrmunition hinein. Um an das Pulver heranzukommen, klemmten wir daheim die Patronen in den Schraubstock, um durch Hin- und Herwackeln die Geschoßspitze herauszubringen. Dann kamen wir an das Pulver, mit dem man allerhand interessante Dinge machen konnte. Auch die Geschoßspitzen waren interessant. Jedes 5. Geschoß war ein Leuchtspurgeschoß; man konnte sie anzünden und hatte ein wunderschönes buntes Feuer. Wir waren halt Kinder des Krieges! Manch einer ist durch solches Spielen auch ums Leben gekommen.

 

Das waren so ein paar Erlebnisse in meiner Grundschulzeit in Rimpar.

 

Herzliche Grüße

 

 

P. Wolfgang Zürrlein CMM

 

 

 

Aus den folgenden Jahrzehnten liegt leider kein Material vor.

 

Lesen Sie bitte weiter ab den 80-er Jahren!

 

Diese Website wird duch RSFirewall! geschützt, die Firewall-Lösung für Joomla!